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Bei den Kleinsten Gas geben

Fachbericht von Benjamin Ramseier, Technischer Dienst

Die Aufzuchtphase ist entscheidend, um bei der erwachsenen Kuh das volle Leistungspotenzial abzurufen. Durchfallerkrankungen oder Atemwegsstörungen verringern die Leistung der Kälber und wirken sich lange aus.

Ein problemloser Start ist wichtig für ein gesundes Wachstum des Kalbes. Die Kolostrumversorgung ist womöglich der wichtigste Schritt im Leben einer Kuh. Dem frischgeborenen Kalb sollte als Zielgrösse vier Liter Biestmilch innerhalb der ersten vier Stunden verabreicht werden. Mit dem Kolostrum will man dem Kalb nicht nur die wichtigen Antikörper mit auf den Weg geben, es hat auch eine besondere Bedeutung als erste Nahrung dank leicht verdaulichen Nährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen.

In den ersten Stunden ist der pH-Wert im Labmagen so hoch, dass die Antikörper durch die Verdauungsvorgänge nicht geschädigt werden, somit in den Darm gelangen und dort absorbiert werden können. Nach 24 Stunden ist die Darmschranke dann nahezu vollständig geschlossen. Wenn das Kolostrum von der Mutter nicht die ausreichende Qualität aufweist und Kolostrum aufgetaut werden muss, ist darauf zu achten, dass das Eiweiss nicht mit zu hoher Auftautemperatur geschädigt wird.

Erst Selen, dann Eisen

Um Immunsystem und Saugverhalten des Kalbes zu fördern, ist eine zusätzliche Selenzufuhr in den ersten 48 Stunden empfehlenswert. Um die positive Wirkung von Selen optimal nutzen zu können, sollte das Selen immer in Kombination mit Vitamin E verabreicht werden. Ab dem dritten Lebenstag verleiht die ergänzende Zufuhr von organisch gebundenem Eisen über die Milch dem Kalb Appetit und sorgt für höhere Futteraufnahmen in der Aufzucht. Die Aufnahme von Eisen über die Milch ist praktisch und sicher.

Fit halten statt heilen

Zur aktiven Immunisierung gegen die Rindergrippe ist eine intranasale Impfung ab dem siebten Lebenstag empfehlenswert. Die Krankheitsprophylaxe und die Antibiotikareduktion sind heute zentrale Faktoren in der Kälberaufzucht. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Bestandestierarzt wird hier vorausgesetzt. Grundsätzlich gilt, Kälber gesund zu halten.

Für bessere Milchkühe

Ab der dritten bis zur siebten Lebenswoche schliesst eine intensive Tränkephase nahtlos an die Versorgung der ersten drei Wochen an. Jetzt muss eine möglichst hohe Trockensubstanzaufnahme von mindestens 1200 Gramm täglich angestrebt werden. Zur Erinnerung: 1 Liter Milch enthält ca 130 Gramm Trockensubstanz (TS). Wird das Kalb beispielsweise restriktiv mit sechs Litern Milch getränkt, kommt es in dieser Phase auf weniger als 800 Gramm TS; eindeutig zu wenig! Diese Milchgabe muss mit qualitativ hochwertigem Milchpulver (hoher Magermilchpulveranteil) ergänzt werden. Je höher die Futteraufnahme, desto weniger Krankheiten; die Kälber sollen fitgefüttert werden.

Ab der siebten Lebenswoche werden die Milchgaben kontinuierlich bis zum Absetzen in der 13. bis 16. Lebenswoche gesenkt. Als einfacher Richtwert gilt, dass das Kalb in den ersten 60 Tagen sein Geburtsgewicht verdoppelt.

Eine Trocken-Mischration (Kälbermüesli), bestehend aus Aufzuchtfutter und strukturiertem Heu oder Luzerne, kann einfach und kostengünstig selber hergestellt werden. Bereits ab den ersten Lebenstagen angeboten, kann der Müesli-Verzehr auf bis gut 2 Kilo pro Tag gesteigert werden. Frisches Wasser muss stets zur Verfügung gestellt werden.

Der Nesting Score

Atemwegserkrankungen bei den Kälbern bereiten vielen Betriebsleitern Sorge. Insbesondere in den  kommenden Monaten, wenn es draussen kühl und feucht ist, steigt die Relevanz der Einstreutiefe (Nesting Score). Der Nesting Score wird visuell ermittelt. Beim Nesting Score 1 sind die Beine beim liegenden Kalb komplett sichtbar, und beim Nesting Score 3 gänzlich mit Stroh bedeckt. Ein grosszügiger und mit sauberem Stroh eingestreuter Kälberstall vermindert den Keimgehalt in der Luft und senkt das Risiko für Atemwegserkrankungen in Abhängigkeit von der Frischluftzufuhr erheblich. Speziell bei kleinen und frisch eingestallten Tieren sollte zwingend ein Nesting Score 3 angestrebt werden. Grundsätzlich gilt, das Kalb sollte nicht auf Stroh, sondern im Stroh liegen können.

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